Wer sein Marketingbudget planen muss, startet meist mit der Tabelle des Vorjahres. Was funktioniert hat, bekommt wieder Geld, plus oder minus ein paar Prozent. Das ist bequem, schreibt aber alte Annahmen fort, obwohl sich Kanäle, Messbarkeit und Kosten deutlich verschoben haben.
Für 2027 lohnt sich ein anderer Einstieg. Bevor du Beträge auf Kanäle verteilst, klärst du vier Leitfragen: Welche Ziele das Budget stützt, wie du Marke und Abverkauf gewichtest, was du über die Wirkung wirklich weißt und wie viel Raum Tests bekommen.
Dieser Leitfaden führt dich durch den Prozess – mit aktuellen Benchmarks, einem fiktiven Rechenbeispiel und einer Checkliste für die Budgetrunde.
Marketingbudget planen in sechs Schritten
Wenn du dein Marketingbudget planen willst, hilft eine feste Reihenfolge. Sie verhindert, dass Kanaldiskussionen beginnen, bevor die Grundlagen stehen:
- Unternehmensziele für 2027 mit der Geschäftsführung klären und priorisieren.
- Die Wirkung der vergangenen zwölf Monate ehrlich auswerten.
- Das Gesamtbudget mit einer nachvollziehbaren Methode herleiten.
- Das Verhältnis zwischen Markenaufbau und Abverkauf festlegen.
- Einen Testanteil mit Zielen und Abbruchkriterien reservieren.
- Quartalsrunden für Umschichtungen in den Kalender eintragen.
Die Schritte zwei bis fünf entsprechen den vier Leitfragen, die wir im Folgenden ausführen. Erst danach verteilst du konkrete Beträge auf Kanäle, Agenturen und Werkzeuge.
Wie hoch sollte dein Marketingbudget sein?
Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Einen Orientierungspunkt liefert der CMO Spend Survey 2026 von Gartner: Die befragten Unternehmen geben im Schnitt 7,8 Prozent ihres Umsatzes für Marketing aus, nach 7,7 Prozent im Vorjahr. Gartner hat dafür 401 Marketingverantwortliche in Nordamerika, Großbritannien und Europa befragt.
Die Zahl taugt allerdings nur als grober Vergleich. Laut Gartner meldet die große Mehrheit der Befragten einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Für einen Mittelständler mit anderer Kostenstruktur, anderem Wettbewerb und anderen Wachstumszielen sagt sie wenig.
Drei Methoden zur Herleitung
| Methode | So funktioniert sie | Geeignet für |
|---|---|---|
| Umsatzanteil | Fester Prozentsatz vom geplanten Umsatz | Stabile Märkte, wenig Veränderung |
| Ziel-Aufgaben-Methode | Ziele definieren, Maßnahmen ableiten, Kosten summieren | Wachstum, neue Märkte, Produktstarts |
| Wettbewerbsorientierung | Budget an Ausgaben der Konkurrenz ausrichten | Märkte mit starkem Werbedruck |
In der Praxis kombinierst du die Methoden. Die Ziel-Aufgaben-Methode liefert die inhaltliche Begründung, der Umsatzanteil dient als Plausibilitätscheck gegenüber dem Controlling. Wer sein Marketingbudget planen und intern verteidigen muss, argumentiert mit beidem überzeugender als mit einer einzelnen Zahl.
Fixkosten nicht vergessen
Bevor du über Kampagnen sprichst, ziehe die festen Posten ab: Personal, laufende Lizenzen, Agenturpauschalen, Messen mit langer Vorlaufzeit. Wer sein Marketingbudget planen will, ohne diese Posten sauber aufzuschlüsseln, unterschätzt regelmäßig, wie wenig frei verfügbares Geld am Ende tatsächlich übrig bleibt.
Leitfrage 1: Welche Ziele soll das Budget stützen?
Marketing ist kein Selbstzweck. Wachstum in einem neuen Markt verlangt andere Maßnahmen als die Bindung bestehender Kundschaft oder die Einführung eines neuen Produkts. Kläre deshalb mit der Geschäftsführung, welche zwei oder drei Unternehmensziele 2027 Vorrang haben.
Formuliere für jedes Ziel eine messbare Größe, die Marketing beeinflussen kann: Anzahl qualifizierter Anfragen, Neukunden in einem Segment, Wiederkaufrate oder gestützte Markenbekanntheit. Erst wenn diese Größen feststehen, kannst du dein Marketingbudget planen, ohne dich in Kanaldetails zu verlieren.
Typische Fehler bei der Zielklärung
- Zu viele Ziele mit gleicher Priorität
- Ziele, die Marketing nicht beeinflussen kann, etwa Preisgestaltung oder Lieferzeiten
- Kennzahlen ohne Ausgangswert, sodass sich Fortschritt später nicht belegen lässt
Welche Kennzahlen den langfristigen Wert deiner Marke abbilden, beschreibt unser Beitrag Markenwert messen. Er hilft dir, auch weiche Ziele wie Bekanntheit und Präferenz in die Budgetlogik einzubinden.
Wer beim Marketingbudget planen mitreden sollte
Ein Budget, das nur im Marketing entsteht, scheitert oft an der Umsetzung. Hole früh die Menschen an den Tisch, die Ziele, Zahlen und Maßnahmen beeinflussen:
- Geschäftsführung: setzt Prioritäten und gibt den Rahmen frei.
- Vertrieb: liefert Einschätzungen zu Zielkunden, Pipeline und Saisonalität.
- Controlling: prüft Plausibilität und definiert Spielräume für Umschichtungen.
- Produktmanagement: kennt Launch-Termine, die Budget binden.
Wer sein Marketingbudget planen und später ohne Grundsatzdebatten umsetzen will, investiert diese Abstimmungszeit am Anfang. Sie spart dir im Laufe des Jahres viele Diskussionen über einzelne Positionen.

Leitfrage 2: Wie verteilst du zwischen Marke und Abverkauf?
Kurzfristige Kampagnen liefern schnell messbare Ergebnisse. Markenaufbau wirkt langsamer, dafür nachhaltiger. Die britische Werbebranchenvereinigung IPA verweist auf die Analyse „The Long and the Short of It“ von Les Binet und Peter Field: Dort lag das optimale Verhältnis bei 60 zu 40 zwischen Markenaufbau und Aktivierung, eine spätere Auswertung kam auf 62 zu 38, wie die IPA in ihrem Blog zusammenfasst.
In der Praxis läuft die Entwicklung oft in die andere Richtung. Laut einer weiteren Gartner-Auswertung desselben Surveys entfallen 62,6 Prozent der Mediaausgaben auf Bekanntheit und Conversion, während der Anteil für Kundenbindung seit 2024 um 29 Prozent gesunken ist und unter 15 Prozent liegt.
Was das für deine Planung bedeutet
Das Verhältnis 60 zu 40 ist ein Befund aus einer bestimmten Datenbasis, keine Formel für jedes Unternehmen. Entscheidend ist, dass du den Anteil für Markenaufbau bewusst festlegst, statt ihn als Restgröße zu behandeln. Sonst verdrängen gut messbare Performance-Maßnahmen Schritt für Schritt alles, was erst später wirkt.
Achte zudem auf die Bestandskundschaft. Wenn du dein Marketingbudget planen und gleichzeitig Wachstum sichern willst, ist ein sinkender Bindungsanteil ein Warnsignal: Neukunden zu gewinnen kostet in vielen Märkten mehr, als bestehende Kunden zu halten.
Besonderheiten im B2B
Im B2B-Geschäft sind Kaufzyklen länger und Entscheidungen auf mehrere Personen verteilt. Markenaufbau zeigt sich hier oft erst darin, ob dein Unternehmen überhaupt auf der Shortlist landet. Wenn du im B2B dein Marketingbudget planen musst, verknüpfe den Markenanteil deshalb mit Kennzahlen wie Markensuchen, Direktanfragen und der Zahl qualifizierter Gespräche.
Leitfrage 3: Was weißt du wirklich über die Wirkung?
Werte die vergangenen zwölf Monate ehrlich aus. Welche Maßnahmen haben nachweislich gewirkt, welche nicht? Und wo fehlen schlicht die Daten, um das zu beurteilen? Diese dritte Kategorie ist oft größer, als Teams zugeben.
Klassische Attribution zeigt nur einen Ausschnitt. Einwilligungen, Tracking-Schutz und lange Customer Journeys sorgen dafür, dass Klickpfade die Wirkung von Markenkampagnen, Video oder Messen unterschätzen. Wie du mit Marketing-Mix-Modellen, Experimenten und Consent Mode zu belastbareren Aussagen kommst, erklärt unser Beitrag Attribution ohne Cookies.
Messlücken als Budgetposten
Wenn du dein Marketingbudget planen willst, gehört die Messung selbst auf die Liste. Plane Mittel für Inkrementalitätstests, Datenqualität und Auswertung ein. Ein Teil des Budgets, der Wissen erzeugt, macht die Verteilung des restlichen Budgets im nächsten Jahr deutlich treffsicherer.
- Ordne jede größere Maßnahme einer von drei Gruppen zu: belegt wirksam, belegt unwirksam, unklar.
- Prüfe für die Gruppe „unklar“, mit welchem Test du 2027 Klarheit schaffst.
- Reduziere Mittel für belegt unwirksame Maßnahmen konsequent.
Leitfrage 4: Wie viel Raum bekommen Tests und KI?
Ein fester Anteil für Experimente erlaubt dir, neue Kanäle und Formate zu erproben, ohne das Kerngeschäft zu gefährden. Lege vorab fest, woran du Erfolg misst und wann du einen Test abbrichst. Ohne diese Regeln werden Tests zu Dauerprojekten, die niemand beendet.
Besonders sichtbar wird die Testfrage beim Thema Künstliche Intelligenz. Laut Gartner fließen im Schnitt bereits 15,3 Prozent der Marketingbudgets in KI. Gleichzeitig berichten nur 30 Prozent der Befragten, dass ihre Organisation für eine Skalierung von KI wirklich bereit ist. Geld allein löst das Problem also nicht.
So definierst du einen guten Test
Ein Test ist mehr als ein kleines Budget für einen neuen Kanal. Er braucht eine klare Hypothese, eine Zielgröße, eine feste Laufzeit und eine Vergleichsgruppe. Formuliere vorab, ab welchem Ergebnis du skalierst und ab welchem du stoppst. Wenn du dein Marketingbudget planen und Tests ernst nehmen willst, dokumentierst du diese Regeln vor dem Start, nicht danach.
Personal, Werkzeuge und Prozesse mitdenken
Gartner beobachtet zudem, dass der Anteil der Personalkosten am Marketingbudget von 21,9 Prozent im Jahr 2025 auf 24,5 Prozent 2026 gestiegen ist. Wer KI-Lizenzen budgetiert, sollte deshalb auch Zeit für Schulung, Prozessbeschreibung und Qualitätskontrolle einplanen. Wie du deine Werkzeuglandschaft dabei schlank hältst, zeigt unser Beitrag zum Martech-Stack.

Ein fiktives Rechenbeispiel
Ein Hersteller mit 40 Millionen Euro Umsatz will sein Marketingbudget planen und setzt 1,6 Millionen Euro an. Er reserviert 55 Prozent für Markenaufbau, 35 Prozent für Abverkauf und 10 Prozent für Tests. Vom Testanteil, also 160.000 Euro, gehen 60.000 Euro in einen Retail-Media-Test, 50.000 Euro in einen KI-Piloten und 50.000 Euro in ein regionales Inkrementalitätsexperiment.
Die Zahlen sind ein Beispiel, keine Empfehlung. Sie zeigen aber, wie du Annahmen transparent machst: Jede Position hat eine Begründung und ein Ziel, über das du in der Quartalsrunde sprechen kannst.
Budget als laufender Prozess: Quartalsrunden statt Jahresblock
Ein Jahresbudget sollte nicht starr sein. Märkte, Plattformen und Kosten verändern sich schneller als ein Planungszyklus. Plane deshalb feste Quartalsrunden ein, in denen du Mittel von schwachen zu starken Maßnahmen verschiebst.
Vereinbare mit dem Controlling vorab, wie viel Spielraum du für Umschichtungen hast. Ein flexibler Anteil, über den das Marketing ohne neue Freigabe entscheiden darf, beschleunigt Reaktionen auf Marktveränderungen erheblich.
Was in jede Quartalsrunde gehört
- Abgleich der Zielgrößen mit dem Plan
- Ergebnisse der laufenden Tests und Entscheidung über Fortsetzung
- Neue Erkenntnisse aus Marktbeobachtung und Wettbewerb
- Umschichtungen mit kurzer schriftlicher Begründung
Wer sein Marketingbudget planen und regelmäßig nachsteuern will, braucht außerdem einen Blick auf neue Entwicklungen. Welche Themen 2027 eine eigene Budgetzeile verdienen könnten, ordnet unser Trendradar zu den Marketing Trends 2027 ein.
Saisonalität und Timing berücksichtigen
Verteile das Budget nicht gleichmäßig auf zwölf Monate, wenn dein Geschäft Saisonspitzen hat. Lege Messen, Produktstarts und starke Verkaufsphasen früh in einen Jahreskalender und ordne ihnen Mittel zu. So vermeidest du, dass im entscheidenden Quartal das Geld fehlt, weil es schon im Frühjahr ausgegeben wurde.
Fünf Fehler, die Teams beim Marketingbudget planen machen
- Vorjahr fortschreiben: Alte Verteilungen bleiben bestehen, obwohl sich Kanäle verändert haben.
- Kein Puffer: Jeder Euro ist verplant, sodass für Chancen im Jahresverlauf nichts übrig bleibt.
- Messung vergessen: Es gibt Geld für Maßnahmen, aber keines, um ihre Wirkung zu prüfen.
- Werkzeuge ohne Prozess: Lizenzen werden gekauft, aber niemand hat Zeit, sie richtig einzuführen.
- Bestandskunden übersehen: Das gesamte Budget fließt in Neukundengewinnung.
Prüfe deinen Entwurf gegen diese Liste, bevor du ihn vorlegst. Wer sein Marketingbudget planen und gegenüber dem Controlling bestehen will, sollte auf jeden dieser Punkte eine Antwort haben.

Deine nächsten Schritte für die Budgetrunde 2027
Mit diesen Schritten bereitest du die Budgetrunde so vor, dass du Entscheidungen begründen kannst:
- Vereinbare einen Termin mit der Geschäftsführung, um die zwei bis drei wichtigsten Ziele für 2027 festzulegen.
- Erstelle eine Liste aller Maßnahmen des laufenden Jahres und ordne sie nach belegter Wirkung.
- Leite das Gesamtbudget aus Zielen und Aufgaben her und prüfe es gegen den Umsatzanteil.
- Lege das Verhältnis zwischen Marke, Abverkauf und Tests schriftlich fest.
- Trage vier Quartalsrunden mit Controlling und Vertrieb in den Kalender ein.
So kannst du dein Marketingbudget planen, ohne dich auf das Vorjahr zu verlassen – und jede Position mit Daten statt mit Gewohnheit begründen.
Häufige Fragen zum Thema Marketingbudget planen
Wie fange ich an, wenn ich mein Marketingbudget planen will?
Beginne mit den Unternehmenszielen, nicht mit den Kanälen. Kläre mit der Geschäftsführung zwei bis drei Prioritäten für das kommende Jahr und übersetze sie in messbare Größen. Werte danach die Wirkung der bisherigen Maßnahmen aus. Erst auf dieser Grundlage leitest du das Gesamtbudget her und verteilst es.
Wie viel Prozent vom Umsatz geben Unternehmen für Marketing aus?
Laut Gartner CMO Spend Survey 2026 liegt der Durchschnitt bei 7,8 Prozent des Umsatzes. Befragt wurden vor allem große Unternehmen in Nordamerika, Großbritannien und Europa. Für kleinere Firmen oder andere Branchen kann der passende Wert deutlich abweichen. Nutze die Zahl daher nur als groben Vergleich.
Wie teile ich das Budget zwischen Marke und Performance auf?
Die IPA verweist auf Analysen von Binet und Field, nach denen ein Verhältnis von etwa 60 zu 40 zwischen Markenaufbau und Aktivierung optimal war. Das ist ein Richtwert aus einer bestimmten Datenbasis. Wichtiger als die exakte Zahl ist, dass du den Markenanteil bewusst festlegst und nicht als Restgröße behandelst.
Wie viel Budget sollte ich für Tests reservieren?
Eine feste Regel gibt es nicht. Viele Teams arbeiten mit einem klar abgegrenzten Anteil im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Entscheidend sind vorab definierte Ziele und Abbruchkriterien für jeden Test. So entsteht aus dem Testbudget verwertbares Wissen statt einer Sammlung offener Experimente.
Wie oft sollte ich das Marketingbudget anpassen?
Plane mindestens vier Quartalsrunden ein, in denen du Ziele, Testergebnisse und Marktveränderungen prüfst. Vereinbare mit dem Controlling einen flexiblen Anteil, den du ohne neue Freigabe umschichten darfst. So reagierst du schneller auf Veränderungen und vermeidest, dass Mittel in schwachen Maßnahmen gebunden bleiben, wenn du dein Marketingbudget planen und nachsteuern willst.
